Seit anderthalb Jahrzehnten spricht Frankfurt vom Kulturcampus. Einst als aufregende Vision geboren, geisterte er irgendwann nur noch als ungeliebtes Gespenst durch die Stadt.

Doch nun ist es soweit: der Kulturcampus betritt strahlend und mit ein bisschen Lampenfieber die Bühne der Stadt.

In den Ritzen der vor sich hin dämmernden Betonwüste ist rund um das sich zum Offenen Haus der Kulturen wandelnde Studierendenhaus und die längst weit über Frankfurt hinaus bekannte ada_kantine über die Jahre ein Netzwerk von sozialen und politischen Initiativen, von Künstler*innen und Kulturschaffenden entstanden. Nun kommen weitere spannende Institutionen hinzu.

Mit der Zwischennutzung der Dondorf Druckerei durch die Schirn Kunsthalle und der Kunstbibliothek durch eine Fülle von Initiativen und Institutionen kommt 2025 so richtig Schwung in die Sache. So wird die Schirn ab September die durch langjährige Arbeit von Bürgerinitiativen und zwei Besetzungen vor dem Abriss bewahrte geschichtsträchtige Druckerei zum Interimsquartier machen. Und in der Kunstbibliothek probiert das Netzwerk Vision31 gemeinsam mit dem Frankfurt LAB und vielen weiteren Initiativen unter dem Motto „Ressourcen teilen“ schonmal den Kulturcampus im Kleinen. Gemeinsam mit dem benachbarten Institut für Sozialforschung, der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung und der Jüdischen Akademie entsteht ein spannendes Biotop, das in Frankfurt seinesgleichen sucht.

Auch für die Zukunft wurden endlich die Weichen gestellt: Nach Jahren quälender Diskussionen wurden Standorte für die Hochschule für Musik und Darstellende Kunst und das Zentrum der Künste gefunden. Doch während deren Neu- und Umbauten frühestens ab 2035 stehen werden, machen wir schon heute ernst mit dem Kulturcampus.

Wir – das sind hunderte von Menschen aus mehr als zwei Dutzend Initiativen aus allen Ecken der Stadt - haben eine Fülle von Ideen und legen jetzt einfach mal los. Wir entwickeln den Kulturcampus aus dem Bestand und machen ihn ab sofort zu einem Reallabor für die STADT VON MORGEN.

Denn STADT, das sind mehr als die alt-neuen Fassaden, die ihren touristischen Wert steigern, mehr als die Kulturhighlights für das Städteranking, mehr als nur die Wohnungen, in denen teuer geschlafen wird. Und mehr als die fünf-Sterne Hotels, Luxuswohnungen und Appartmenthouses, die bislang unter dem Label „Kulturcampus“ entstanden sind. STADT, das sind vor allem die Menschen, die sie gestalten, sich um sie sorgen und in ihr Solidarität praktizieren. Die es ernst meinen mit dem sozial-ökologischen Wandel, von dem woanders nur geredet wird. Die den Mut haben, Neues zu wagen und Stadt anders zu denken und zu praktizieren.

Kulturcampus bleibt Handarbeit - Für die Stadt von Morgen!